MBJ - Reader
MBJ-184 Seite 2
von Ralph Engels
WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Diagnosedauer und sozioökonomische Kosten
In der Gruppe mit der etwas schnelleren Diagnose (Dauer von maximal 5,4 Jahren zwischen Beschwerde- beginn und Diagnose) waren die sozioökonomischen Gesamtkosten mit 20.188,70 Euro in drei Jahren deutlich niedriger als in der Gruppe mit der längeren Diagnosedauer (31.717,70 Euro). Dieser Unterschied war signifikant, und vor allem für die männlichen Betrof- fenen sehr deutlich. Für die indirekten Kosten war dieser Unterschied erheblich größer als für die direkten Kos- ten; d.h., dass Arbeitsausfälle eine große Rolle spielten.
Krankheitslast
Alle Maßstäbe zur Erfassung der Krankheitsaktivität, sowohl per Fragebogen als auch im Labor, zeigten im Laufe des ersten Jahres einen deutlichen Rückgang und blieben dann stabil. Für die Gruppe mit der län- geren Diagnosedauer ergab sich sowohl zu Beginn als auch zum Ende der Studie ein erheblicher Unter- schied anhand der Fragen im BASDAI-Score, d.h., die Schmerzen und die Steifigkeit belasteten diese Gruppe durchgehend stärker. Die im Blut feststellbaren Zei- chen der Entzündung gingen zügig und deutlich zu- rück in den ersten zwei Jahren und blieben dann stabil. Neu aufgetretene Symptome betrafen vor allem entzünd- liche Gelenkbeteiligungen und Sehnenansatzentzün- dungen. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule zeigte keine
Abb. 2: Arbeitsunfähigkeit bei axSpA (n 82)
Angaben basierend auf Daten der vorliegenden Studie (Grafik BS)
wesentlichen Unterschiede zwischen Beginn und Ende der Beobachtungsdauer. In 13 Fällen konnte eine röntge- nologische Verschlechterung festgestellt werden, mehr- heitlich in den Kreuzbein-Darmbein-Gelenken, aber auch an den Wirbelkörpern (Syndesmophytenbildung).
Schlussfolgerung aus Sicht der Redaktion
Es mag zwar sein, dass bei früher Diagnosestellung be- stimmte Kosten, wie z.B. durch gezielte Medikamen- tengabe und Physiotherapie, schon früher zu Buche schlagen und dass damit Betroffene mit früher Diagno- sestellung vielleicht einen Vorsprung haben, was die di- rekten Krankheitskosten angeht. Das Versäumnis einer rechtzeitigen Diagnose bleibt aber ganz offensichtlich ein gravierender Nachteil, sowohl für die Betroffenen mit anhaltend höherer Krankheitslast als auch für die Gesellschaft mit höheren Kosten nicht nur für die The- rapie, sondern auch durch die inzwischen eingetrete- nen Folgen der Erkrankung.
Wie schnell schreitet die Sakroiliakal- arthritis bei axSpA voran? 10-Jahres-Daten aus der DESIR-Kohorte
Sprachlich vereinfachte Zusammenfassung und Ergänzung des Artikels "Sacroiliac radiographic progression over 10 years in axSpA: data from the DESIR inception cohort" von Anna Molto et al., erschienen in Ann Rheum Dis, 2024, 83:858-864; https://doi.org/10.1136/ard-2023-225184, von Johannes Mattar (MBJ-Redaktion)
Einleitung
Seit 2012 wird mit der DESIR-Kohorte in Frankreich eine multizentrische Langzeitbeobachtung von Er-
wachsenen unter 50 Jahren mit vom Rheumatologen eingestuftem entzündlichem Rückenschmerz (IBP) durchgeführt. In der dargestellten Auswertung sollte das
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Morbus-Bechterew-Journal Nr. 184 (März 2026)