MBJ - Reader
MBJ-184 Seite 3
von Ralph Engels
WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Abb. 2: Übersicht Ergebnisse der DESIR-Kohorte
Fazit
Diese Studie beschreibt erstmals in einer Inzeptions- kohorte das radiografische Fortschreiten einer SIG-Ar- thritis im 10-Jahres-Verlauf. Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu historischen Daten, die eine höhere ra- diologische Progression angenommen hatten. Dennoch können sich bereits früh im Verlauf im Röntgenbild nachweisbare Veränderungen zeigen. Das Risiko steigt bei Pat. mitim MRT der SIG nachgewiesener lokaler Ent- zündung, insbesondere bei positivem HLA-B27-Status. In einer 10-Jahres-Verlaufsbeobachtung von Pat. mit un- differenzierter SpA, veröffentlicht von Sampano-Barros et al. 2010, wurde eine radiologische Progression von 24% beschrieben. Mit einer Zunahme der radiologi- schen Destruktion um 8,7% in 10 Jahren und einer na- hezu Halbierung auf 4,5% unter TNF-Hemmer-Thera- pie liegt die Progression in der DESIR-Kohorte deutlich niedriger. Dies dürfte auch auf eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie im Frühstadium der Erkran- kung zurückzuführen sein. Ähnliche Befunde finden sich in der 2-Jahres-Auswertung der deutschen GESPIC-In- zeptionskohorte sowie ein protektiver TNF-Hem- mer-Effekt auf das radiologische Fortschreiten auch in
der Schweizer Swiss-Quality-Management-Kohorte. Die Befunde der DESIR-Kohorte fokussieren auf ent- zündliche Veränderungen der SIG ohne Berücksichti- gung funktioneller Einschränkungen durch Syndesmo- phytenbildung (entzündliche Überbrückungen) an der Wirbelsäule. Andererseits konnten bisherige Arbeiten nicht zeigen, dass es ohne radiografische Zeichen einer SIG-Arthritis zu strukturellen entzündlichen Verände- rungen an der Wirbelsäule kommt. Abschließend weisen die Autoren auf eine Besonderheit der DESIR-Kohorte hin. Im Gegensatz zu anderen Inzep- tionskohorten, die in der Regel mit Pat. aus sogenannten tertiären Versorgungseinrichtungen wie Universitätskli- niken oder Spezialambulanzen rekrutiert werden, wurde die Kohorte in Frankreich durch die Zusammenarbeit der französischen Rheumaliga mit der rheumatologi- schen Fachgesellschaft sowie insbesondere durch Anzei- gen, Radio- und Fernsehinterviews landesweit bekannt gemacht. Dies könnte dazu geführt haben, dass mehr Erkrankte bereits im Frühstadium erfasst und dank des französischen Gesundheitssystems mit voller Kostener- stattung für Biologikatherapien frühzeitig einer krank- heitsmodifizierenden Therapie zugeführt wurden.
Morbus-Bechterew-Journal Nr. 184 (März 2026)
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